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Selbstwirksamkeit – Wie die eigene Überzeugungskraft gesundheitsfördernd wirkt

Selbstwirksamkeit – Wie die eigene Überzeugungskraft gesundheitsfördernd wirkt

„Nicht bücken bei Rückenschmerzen! Keine belastenden Tätigkeiten bei Arthrose! Bei Schmerzen keine Belastung!“

Diese und ähnliche tolle Tipps hört man oft im privaten Umfeld oder kann sie auf Onlineportalen nachlesen. Diese nett gemeinten Ratschläge lassen sich jedoch auf keinen Fall verallgemeinern und schon gar nicht auf jeden Körper pauschalisieren. Benjamin Schauer gibt hier einen Einblick aus seinem Physiotherapeuten-Alltag.

Durch die herumspukenden Ratschläge kommt es immer wieder vor, dass wir stark verunsicherte Patienten bei uns in der Behandlung haben. Häufig sind diese besorgt, welche Bewegungen sie vermeiden sollten oder welche Aktivitäten noch in Ordnung sind. Viele haben den Eindruck, das eigene Problem nicht aktiv beeinflussen zu können und die Kontrolle über den eigenen Körper verloren zu haben.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Angst vor bückenden Tätigkeiten, die viele Menschen mit Rückenschmerzen haben. Sie vermeiden es, Dinge vom Boden aufzuheben oder sich die Schuhe zu binden. Alltägliche Bewegungen werden zur Herausforderung. Es fehlt ihnen häufig an der Überzeugung, diese Aufgaben meistern zu können. Sie haben eine geringe Selbstwirksamkeit.

Dieser Begriff aus der Psychologie beschreibt das Vertrauen einer Person in die eigenen Fähigkeiten, mit denen ein gewünschtes positives Ergebnis erreicht werden kann. Die Selbstwirksamkeit hängt unter anderem von den Erfahrungen ab, die der Betroffene früher in ähnlichen Situationen gesammelt hat. Kam es in der Vergangenheit öfter zu schmerzhaften Erlebnissen bei bückenden Bewegungen, kann dies zu einer schlechteren Selbstwirksamkeit im Hinblick auf zukünftige Aufgaben führen. Neben den eigenen Erfahrungen sind auch Beobachtungen anderer Personen, verbale Überzeugungen sowie eigene Emotionen am Ausmaß der Selbstwirksamkeit beteiligt.

Was hat Selbstwirksamkeit nun mit Gesundheit zu tun?

Je höher die individuelle Selbstwirksamkeitserwartung ist, desto eher werden gesundheitsfördernde Verhaltensweisen umgesetzt. Es ist allgemein bekannt, dass ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und genügend Schlaf für ein gesundes Leben wichtig sind. Ebenso ist es in den meisten Fällen auf Dauer nicht sinnvoll, bestimmte Bewegungen für immer zu vermeiden, denn Bewegungsangst und Vermeidungsverhalten sind wichtige Faktoren, warum Schmerz und Behinderung längere Zeit bestehen können.

Wenn diese Themen in der Behandlung zur Sprache kommen, hören wir häufig Dinge wie „Das habe ich schon versucht.“, „Das kann ich nicht.“, „Das traue ich mich nicht.“.  In solchen Fällen ist es wichtig, zusammen mit dem Patienten das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wieder schrittweise zu stärken, sodass am Ende die gefürchtete Handlung oder das vorgenommene Ziel wieder erreicht werden kann.

Steigerung der Selbstwirksamkeit in der Physiotherapie

Wie sieht das nun konkret aus?

Beispielhaft geht es um einen Patienten, der aufgrund seiner Rückenbeschwerden Angst vor beugenden Bewegungen hat. In der Vergangenheit haben ihm solche Bewegungen wiederholt Schmerzen bereitet und er ist sich sehr unsicher, wie viel Beugung sein Rücken noch verträgt. Um das Vertrauen des Patienten langsam zu verbessern, wird das Bewegungsausmaß zu Beginn der Behandlung erst einmal deutlich reduziert. Mit jeder schmerzfreien Wiederholung wird der Patient die positive Erfahrung machen, dass Bücken nicht zwangsläufig weh tun muss. Schritt für Schritt wird das Bewegungsausmaß nun vergrößert. Unterstützend können dabei sowohl Äußerungen des eigenen Umfelds als auch positive Erfahrungen anderer Rückenschmerzpatienten wirken. Dadurch kann der Betroffene schnell zur Einstellung „Das kann ich auch!“ kommen. So steigern sich Zuversicht und Selbstwirksamkeit weiter. Außerdem muss in der Behandlung ein Rahmen geschaffen werden, der es dem Betroffenen erlaubt, offen über seine Emotionen und Ängste sprechen zu können. Diese haben einen großen Einfluss auf das Verhalten. Oft können dadurch neue Ziele und Aufgaben definiert werden. Werden diese Ziele erreicht, steigert sich wiederum die Selbstwirksamkeit.

Bei Menschen mit Beschwerden kommt es aufgrund von Verletzungen also nicht nur auf körperlicher Ebene zu Veränderungen. Vielen fehlt es zudem an ausreichend Vertrauen in die Fähigkeiten des eigenen Körpers. In der Physiotherapie lernen die Betroffenen wieder Spaß und Zuversicht und merken, dass sie ihre Probleme selbst in der Hand haben. Häufig ist das ein erster Schritt auf dem Weg in ein gesünderes und aktiveres Leben.

In dem Artikel Hey zukünftiges Ich, jetzt klappt’s mit dem Sport! zeigen wir dir 8 Regeln für den Wiedereinstieg in den Sport.

Wenn du dich in dem Artikel angesprochen fühlst oder du ein paar Denkmuster auch bei dir erkennst, nimm Dir die Zeit für dich und deinen Körper und sprich offen mit deinem Physiotherapeuten über deine Ängste.

Dein ZAP-Blog-Team

 

 



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